| Das Leben des Journalisten Akbar Ganji ist in Gefahr
Europäisches Parlament Berlin, 23.05.05
Sehr geehrte Frau Flautre, das Europäische Parlament, das in Iran einen Partner sieht, muss sich in dieser Funktion auch für die Tolerierung der Meinungsfreiheit einsetzen und darf angesichts der verheerenden Lage politischer Gefangener in Iran nicht schweigen. Am 20. Mai 2005 ist der wohl innovativste iranische Journalist Akbar Ganji, 46, in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Nach fünf Jahren Haft ist sein Gesundheitszustand ruiniert. Eine adäquate medizinische Behandlung gegen sein starkes Asthma und andere Beschwerden wird ihm nicht zuteil, es besteht vielmehr die Gefahr, dass er ein weiteres Haftjahr – er wurde zu sechs Jahren verurteilt – nicht überleben wird. Akbar Ganji war vor seiner Inhaftierung für mehrere Zeitungen als
Journalist und Herausgeber der Zeitschrift Rahe.e-no tätig,
die verboten wurde. In seinen mutigen Schriften stellt er immer wieder
die Autorität der Herrschenden in Frage. 1997 hielt er an der Schirazer
Univrsität eine Rede über „Das faschistische Zusammentreffen
von Religion und Staat“, wofür er wegen Beleidigung des Führers
mit einem Jahr Gefängnis bestraft wurde. Nach den Serienmorden an
Politikern und Schriftstellern 1998 hat er seine ganze Kraft dafür
eingesetzt, die Drahtzieher für diese Morde herauszufinden, bis ihn
seine akribischen Untersuchungen auf die Spur des ehemaligen Präsidenten
Rafsanjani und den Geheimdienstchef Fallahian als Auftraggeber führten.
Seit er wegen freier Meinungsäußerung auf der Berlin-Konferenz
im April 2000 inhaftiert ist, verfolgt ihn der Chef der Teheraner Justiz,
Gholamabbas Alizadeh, genauso unerbittlich wie Javert von Victor
Hugo. „Wenn ihm im Gefängnis etwas passiert, hat er selbst Schuld“,
sagt Alizadeh und wir fragen uns, was diese Bedrohung bedeutet.
Sehr geehrte Frau Flautre, wir appellieren an Sie, Ihre Stellung im Europäischen Parlament zu nutzen und die sofortige Freilassung von Akbar Ganji zu fordern. Mit freundlichen Grüßen M. Rafi - Vorstand |